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In unregelmässigen Abständen veröffentliche ich hier Artikel zu den Themen Kolonialismus, Kulturerbe und Vieles mehr. Über Anregungen, Lob und Kritik freue ich mich. Schreiben Sie mir an: info@komeda.ch

Kolonialismus im Sprachgebrauch

ETH Zürich – anlässlich der Ausstellungseröffnung am 30. August 2024

Die Mohrenhäuser* am Neumarkt 13 und an der Niederdorfstrasse 29 im Herzen Zürichs dokumentieren lange zurückreichende Geschichten – afrikanische und schweizerische – von transnationaler Migration und Vernetzung, die jahrhundertelang unerzählt geblieben sind. Die zugrundeliegenden Denkweisen, Vorurteile und Euphemismenverführen heute noch dazu, unbewusste rassistische Haltungen sprachlich zu reproduzieren (siehe Duden 2022). Ziel ist es, über Kolonialismus und Rassismus zu reflektieren, ohne nachzuahmen noch zu zensieren. Rassismus wird durch übertünchende Kritik nicht verschwinden. Doch je differenzierter diese Haltung beobachtet und bekämpft wird, desto brüchiger wird sie werden.

Aktualisierte Geschichte(n) oder Polemik, wir selber entscheiden wie wir in diese Debatten hineingehen. Gegensätze, Schwarze und Weisse zum Beispiel, lösen nicht nur in Deutschland mit seinem 150-Jährigen in Sachen Kolonialismus gesellschaftliche Debatten aus: Indiennes* in den globalen Netzwerken Schweizerischer Textilunternehmen, M-Inschriften in Schweizer Grossstädten, Kolonialismus- und Raubkunstdebatten oder der differenzierte Blick auf „Koloniale Spuren» wie in der heute eröffneten Ausstellung an der ETH Zürich.

Gemeinsam verhandeln alle diese Diskussionen etwas dem Menschen Zugrundliegendes: den Sprachumgang. In der Sprache reproduzieren wir angelernte Traditionen wie etwa Rassismen oder Sexismen – je nach dem wo, wie und als was wir sozialisiert wurden. Anders als etwa die Kunst–Isms von El Lissitzky und Hans Arp (1914–1924) wirken diese vergesellschafteten Ismen systemisch. Oft geraten wir in die alten Sprachfallen eines ungewollten und doch allzu gewohnten Herrschaftsverhältnisses.

Beispiel: Der Entdecker*. Für die Europäer war es ein Ärgernis, bei ihrer Ankunft nicht unbewohnte Erde aufzufinden, sondern etwas, was den dortigen Bewohnern gleichwohl bekannt war. Orte, Menschen und Pflanzen einer europäischen Systematik unterzuordnen beduete, lokales Wissen und Begriffe zu normativ überschreiben und gewaltsam zu negieren. Mit dem Duden gesprochen ist das E-Wort rassistisch, genauso wie Kolumbus kein Eroberer*, sondern geradezu ein Menschenverachter war.
Trotzdem ist das Wort im Geschichtsunterricht, der Filmindustrie oder der Literatur vielverwendet.

Ebenso verhält es sich mit dem Wort Kolonialismus*. Kolonialismus* ist nicht Geschichte, es ist ein Gamechanger. Sein Erbe sind Narben, Handelsverbindungen, zwangsverschobene Menschen, Kulturgüter und Rohstoffe. Kolonialismus* und seine Gewalt ist eine systemische Position, weil sie in Schulbüchern, Gesetzen und Strukturen normativ gehalten wird.

Sensible Wörter sind typografisch gekennzeichnet bzw. angeführt“.