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In unregelmässigen Abständen veröffentliche ich hier Artikel zu den Themen Kolonialismus, Kulturerbe und Vieles mehr. Über Anregungen, Lob und Kritik freue ich mich. Schreiben Sie mir an: info@komeda.ch

Unser Denken im steten Widerspruch

Aus: Sammlung der DKG, Frankfurter Universitätsbibliothek

Beispiel Indien

In der Politik bewegen wir uns oft im Spannungsfeld antagonistischer Kräfte. Beispielhaft für solche daraus entstehenden Gefechte ist das koloniale „Indien“, oft übergreifend verwendet für Mittel- und Südostasien. Für Winston Churchill war der Subkontinent gerade mal ein „(…) geographischer Ausdruck, es ist so wenig Land wie der Äquator“. Wie wohl diese Sichtweise Gandhis sozial, politisch und ökonomisch motivierten Mitkämpfern erschienen haben mag? So war es denn für diese Mitkämpfer, meist der indischen Elite entstammend, ein Spagat. Ein Spagat des stetigen Widerspruchs zwischen dem multikulturellen Makrokosmos in dem sie aufgewachsen waren und dem linearen Denken Grossbritanniens ein steter Widerspruch.
(The West and the Rest   Tagung in Tutzing 20.-22.9.2024.)

Gandhi for example

Gandhi, im 20. Jahrhundert der Inbegriff für Mitgefühl und Frieden, griff bei seinem Protest für Indiens unabhängigen Status zu unkonventionellen, scheinbar widersprüchlichen Methoden. So plante er im Jahr 1948 vorübergehend nach Pakistan zu gehen. Diese Offenheit gegenüber dem „anderen“ Lager machte Gandhi kurz vor seiner Ermordung zum Vermittler. Oft helfen solche Vermittler, sogenannte Intermediaries, zwischen den Lagern Ruhe zu stiften.

Indien und sein pluralistisches Gemeinschaftsmodell regen an zum Weiterdenken. Denken verstanden als: Analysieren und Klären, weniger als Deuten.

Im Kern betrachtet geht es hier um die Sichtbarmachung innerer Widersprüche und verdeckter Ideologien, etwas womit der Mensch seit jeher hadert (Nationalismus, Ethnozentrismus etc.). Wenn wir unsere ansozialisierten Ismen als befangene Meinungen anerkennen, nähern wir uns als Individuum einem Selbstbild, das sich seit der Entkolonisierung Afrikas seit den 1950er Jahren fortentwickelt: das Ideal eines Menschen als bewusstes Subjekt seines Tätigseins und eigenen Denkens. Ähnlich versteht sich etwa das Berufsbild Ethnologe seither weniger als taxierend sondern als „teilnehmend“ – wie die Experimente von Clifford Geertz eindrücklich zeigten.

Und so entsteht allmählich ein flexibleres Konzept von Politik und Kultur und so fort.

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Ismen | Indien

Sehenswert: Die Ausstellung „Koloniale Spuren – Sammlungen im Kontext“ im Hauptgebäude der ETH Zürich. Bis zum 13. Juli 2025 täglich geöffnet, 10.00–17.00 Uhr.